Aktuelles


Messie-Tum: nicht fehlende Ordnungsliebe sondern Organisations-Defizit-Störung

In Deutschland gibt es rund 1,8 Millionen Menschen, die unter dem sogenannten Messie-Syndrom leiden. „Das ist eine grobe Schätzung. Das sind diejenigen, die in Helfernetzwerken oder aus anderen Gründen auftauchen. Die Dunkelziffer ist sicher höher“, sagt Karoline Stiebler, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) und erklärt: „Das Thema ist schambehaftet wie kaum ein anderes.“ Dafür gibt es keinen Grund, denn diese Menschen sind nicht einfach extrem unordentlich. Sie leiden unter einer Organisations-Defizit-Störung. Es sind bestimmte Erlebnisse oder gestörte soziale Funktionen, die dazu führen, dass aus fehlender Ordnung Chaos wird.

Nahezu Jeder kennt es von sich selbst, das Messie-Tum im Miniaturformat: eine unaufgeräumte Schublade mit einem Sammelsurium von Dingen, Kästchen, die zu schön sind, um sie wegzuwerfen, eine Sammlung von Eintrittskarten, Postkarten, Zuckerstückchen aus aller Herren Länder. Sachen, die einem etwas bedeuten, obwohl sie nichts wert sind. Hat Sammelleidenschaft noch einen gewissen Charme, führt sie bei bestimmten Menschen im Lauf der Jahre zum landläufig als Messie-Tum bezeichneten Chaos. „Das, was sich im Außen zeigt, spiegelt das Innenleben der Betroffenen wider“, weiß die Ergotherapeutin Stiebler. Diese Menschen tun sich meist ihr Leben lang schwer, Entscheidungen zu treffen – am Ende auch die, was behalten, was wegtun. Neben bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen können Traumata oder gestörte soziale Funktionen die Ursache sein; auch gibt es eine Theorie zu den innerseelischen Gründen. So kann etwa übertriebenes Reinlichkeitsverhalten Kindern gegenüber dazu führen, dass sie keine Selbstwirksamkeit erfahren oder eine überstrenge Erziehung zu Unselbstständigkeit. In dem kindlichen Bestreben angepasst zu sein, versuchen sie die übertriebenen Anforderungen an sauber, pünktlich, ordentlich sein, zu erfüllen. Was auf Dauer nicht gelingen kann, sondern zu Überforderung führt.

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Das Belohnungssystem aktivieren, Menschen wieder handlungsfähig machen

Das Gehirn ist die wohl komplexeste Struktur, mit dessen Funktionsweise sich Wissenschaftler unterschiedlicher Disziplinen beschäftigen. Die Resultate der Hirnforschung sind für viele Berufsgruppen interessant, auch für Ergotherapeuten. „Tatsächlich verhält es sich so, dass die Hirnforschung heute die Wirkung vieler Ansätze, die Ergotherapeuten schon lange anwenden, bestätigt.“, erklärt der Ergotherapeut Felix Haase, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.). Und legt dar, wie diese Erkenntnisse im Zusammenspiel mit Erfahrungen die ergotherapeutische Arbeit prägen.

Selbstbestimmt und in jeglicher Hinsicht handlungsfähig sein. Wer möchte das nicht? Doch gibt es immer wieder Situationen im Leben eines Menschen, die zu einem Bruch führen, die das Leben auf den Kopf stellen: Der Tod eines geliebten Menschen, Übergänge wie Trennung, Scheidung, Rente oder der Verlust des Arbeitsplatzes ziehen oftmals ebenso massive Veränderungen im Alltag nach sich wie Einschränkungen durch einen Unfall oder schwere Erkrankungen. Dies alles kann dazu führen, dass Menschen in ihrem täglichen Handeln beeinträchtigt sind; auf körperlicher, seelischer oder geistiger Ebene.

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Das Leben gut leben

Ein gutes, gesundes Leben führen – wer will das nicht? Krankenkassen bieten zu diesem Zweck Präventionsangebote an, um bestimmten Krankheiten vorzubeugen. Gabriele Woick, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.), vertritt einen anderen Ansatz: Sie hat das Reflexionsinstrument ‚Lebe Dein Leben gut‘ ausgearbeitet und sagt: „Ich lenke den Blick der Menschen auf das, was ihr tägliches Leben ausmacht und damit einen Einfluss auf ihre Gesundheit hat.“ Immer mehr entsprechend fortgebildete Ergotherapeuten bieten interessierten Einzelpersonen, Gruppen oder Unternehmen diese Form von Reflexionsstunden an.

Ist Gesundheit das höchste Gut? „Ja“ sagt Gabriele Woick, „schon, aber die Berufsgruppe der Ergotherapeuten betrachtet dieses Thema differenziert.“ Ergotherapeuten definieren Gesundheit nicht ausschließlich als das Ausbleiben von Krankheit. Sie verfolgen mit ihren Behandlungen und Interventionen vielmehr das Ziel, ihren Klienten zu Wohlbefinden und Zufriedenheit zu verhelfen. Oder zu Lebensqualität, selbst wenn die Folgen, Beeinträchtigungen oder Symptome von Krankheiten weiterhin bestehen. Denn ein gutes Leben macht sich, so die Sicht von Ergotherapeuten, an etwas anderem fest: Nämlich an dem, was Menschen wichtig ist, was ihnen etwas bedeutet. Und daran, ob das, was für diese Menschen einen Sinn und eine Bedeutung hat, also den Sinn ihres Lebens ausmacht, auch genügend Zeit und Raum bekommt. In der täglichen Routine, im ‚Hamsterrad‘, nimmt sich allerdings kaum jemand die Zeit, hierzu Überlegungen anzustellen. Und gegebenenfalls etwas zu ändern. Doch genau das ist nötig, um – folgt man der Anschauung von Ergotherapeuten – die Voraussetzungen für ein gutes und somit gesundes Leben zu schaffen.

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Jede Chance nutzen: Menschen aus dem Wachkoma holen

Wachkoma hört sich für viele nach Hoffnungslosigkeit, nach Einbahnstraße an. Das sieht Anne-Mareike Göbel, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.), anders: „Es fallen jährlich etwa drei- bis viertausend Menschen ins Wachkoma, wovon statistisch betrachtet nur etwa 10% dauerhaft in diesem Zustand bleiben werden. Das ist eine sehr positive Prognose.“ Sie und ihre Berufskollegen sind maßgeblich daran beteiligt, die Kommunikation mit Menschen im Wachkoma herbeizuführen, dadurch eine Brücke zur Außenwelt zu schlagen und sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten in Alltagshandlungen einzubinden, also handlungsfähig zu machen. Das erhöht die Chancen dieser Menschen, das Wachkoma zu verlassen.

Wachkoma ist oftmals die Folge von Erkrankungen wie Herzinfarkt, schwerer Schlaganfall, Aneurysma, Toxikationen durch Alkohol- oder Drogenmissbrauch, Endzustände bestimmter Hirnerkrankungen, Verletzungen durch Unfälle mit folgenschweren Kopfverletzungen, Ertrinkungsunfälle und anderen Geschehnisse, die dazu führen, dass das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt wird. Sterben dabei Gehirnzellen im Großhirn ab, können die Betroffenen ins Wachkoma fallen. Wachkoma ist eine Einschränkung des Bewusstseins; diese Menschen kommen daher üblicherweise ohne lebenserhaltende Apparate aus, ihre Spontanatmung und die Herz-Kreislauftätigkeit bleiben erhalten. Ebenso wie ihr Schlaf-Wach-Rhythmus. „Während der Wachphasen haben sie die Augen geöffnet. Die Augen gehen anfangs oft ins Leere oder wandern, ohne zu fixieren. Menschen im Wachkoma zeigen keine von außen als sinnvoll erkennbare Reaktion auf Berührung oder Ansprache.“, beschreibt die Ergotherapeutin Anne-Mareike Göbel die schwierige Situation, in der sich die Betroffenen am Anfang ihrer Intervention befinden.

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Folgen von Demenz abschwächen: Körperwahrnehmung erhalten

Erfreulicherweise leben immer mehr alte Menschen länger in den eigenen vier Wänden. „Was sich zunächst wie der Idealzustand anhört, kann für Menschen mit Demenz mitunter in heiklen Situationen münden. Oder die pflegenden Angehörigen stark belasten.“, weiß die Ergotherapeutin Ann-Kathrin Blank, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.). Die Erfahrung zeigt, dass Menschen, die bereits ab einem sehr frühen Stadium der Demenz professionelle Beratung und Unterstützung durch Ergotherapeuten erhalten, im Alltag besser zurechtkommen.

Wirtschaftliche Argumente sprechen ebenso dafür wie gesamtgesellschaftliche Verpflichtungen und der Inklusionsgedanke: Möglichst viele Menschen sollten ihren Lebensabend autark oder im Kreise ihrer Lieben verbringen können. Damit dies auch bei Menschen mit Demenz für alle Beteiligten bestmöglich funktioniert, empfiehlt die Expertin Ann-Kathrin Blank, früh mit der Beratung und Unterstützung der Betroffenen zu beginnen, um die Auswirkungen dieser Alterserkrankung auf den Alltag zu mildern. Gleichzeitig bietet sie den Angehörigen ein Coaching an und klärt über Hintergründe und Folgen dieser Erkrankung auf. Das ermöglicht ihnen adäquat mit ihrem an Demenz erkrankten Familienmitglied umzugehen.

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Schwäche in Händen oder Füßen ernst nehmen

Amoyotrophe Lateralsklerose, kurz ALS genannt, ist eine Erkrankung, die schleichend und mit scheinbar harmlosen Symptomen beginnt. „Viele meiner Patienten berichten von einer anfänglichen Schwäche in den Händen oder Füßen.“, beschreibt Theresa Bräuter, Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.), erste Anzeichen von ALS. Für ALS gibt es bislang keine ursächliche Behandlung; die Krankheit ist derzeit nicht heilbar. Umso wichtiger ist es, dass sich alle in die Therapie dieser Krankheit Involvierte intensiv austauschen, um eine maximale Linderung der Symptome und das Optimum an Lebensqualität für die Patienten zu bewirken.

Ein Hauptproblem bei ALS sind die späten Diagnosen. Die häufigsten Symptome wie Probleme beim Greifen oder eine Gangunsicherheit nehmen viele Betroffene zunächst nicht ernst. Möglicherweise auch deshalb, weil sie zuerst nicht bei allen dauerhaft auftreten oder die älteren Betroffenen sie als beginnende Alterszipperlein abtun. „Es mag beruhigend sein, vom Arzt zu hören, dass alles gut ist.“, bestätigt die Ergotherapeutin Theresa Bräuter ein weit verbreitetes, sehr menschliches Verhalten. Gleichzeitig bestärkt sie aber alle, die bemerken ‚da passt etwas nicht, es fühlt sich etwas nicht richtig an‘, auf ihre innere Stimme zu hören, zügig einen Arzt aufzusuchen und nötigenfalls hartnäckig zu sein. Denn meist vergehen Monate, bis alle neurologischen Untersuchungen und nötige Ausschlussverfahren Klarheit bringen.

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Lesen, Rechtschreibung und Graphomotorik – Wie sind meine Augen beteiligt?

Vortrag über Probleme der visuellen Wahrnehmung (Sehstress) und deren mögliche Auswirkungen auf schulische Leistungen. Häufig machen sich diese bemerkbar, z.B. durch Silben oder Buchstaben weglassen, verrutschen in der Zeile, langsames stolperndes Lesen, kurzer Schreibabstand und Buchstaben verwechseln.

Durchschnittlich 80% eines normalen Schulalltags ist das Kind mit sehabhängigen Aufgaben in der Nähe beschäftigt, d.h. mit Arbeit innerhalb der Reichweite der Arme. Um den Anforderungen des Unterrichts zu genügen, ist es absolut erforderlich, dass das Sehvermögen nicht nur gut, sondern auch effektiv ist. Ein Kind, das Sehprobleme hat, weigert sich oft zu lesen oder es bekommt Lese- und/oder Rechtschreibschwächen oder es hat graphomotorische Probleme, z.B. beim Schreiben die Linien einzuhalten.

Ein Lernerfolg wird durch komplexe und miteinander in Beziehung stehende Prozesse erzielt, einer davon ist die visuelle Wahrnehmung.

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20 Jahre Ergotherapie Ortlieb

Anlässlich unseres 20jährigen Jubiläums laden wir Sie am Sonntag, den 07.10.2018 von 13:00 bis 18:00 Uhr unter dem Motto „Ergotherapie zum Anfassen“ zum Tag der offenen Tür in unsere Praxis in der Böblinger Str. 6 in Holzgerlingen ein.

Erfahren Sie viel Wissenswertes rund um die Ergotherapie, zum Beispiel, welche fortschrittlichen Behandlungsoptionen Ergotherapeuten bei Volkskrankheiten wie beispielsweise Rheuma, Handverletzungen, Schlaganfall, Alzheimer, Depressionen oder Verhaltens- und Entwicklungsstörungen anwenden. Sprechen Sie uns an – das Praxisteam wird Ihre individuellen Fragen gerne in persönlichen Gesprächen beantworten.

Noch mehr Informationen finden Sie in den umfangreichen Unterlagen und Broschüren, die zum Mitnehmen bereitstehen; auch zum Mitmachen sind Sie gerne eingeladen:

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Professionelle Hilfe für Pflegebedürftige und Angehörige

Ergotherapeuten sorgen dafür dass es zuhause klappt

Nahezu drei Viertel aller Pflegebedürftigen in Deutschland werden zuhause versorgt, so eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes. Doch wie ist das für die Angehörigen zu stemmen, wie können sie diesen Kraftakt, oft über viele Jahre hinweg, gut aushalten? „Wir Ergotherapeuten stellen sicher, dass der Alltag auf allen Ebenen gut funktioniert.“, erläutern Katja Schneider und Falko Rein, weshalb die Ergotherapie eine so wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielt. Die beiden Ergotherapeuten, die dem DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) angehören, unterstützen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mehrmals wöchentlich zuhause.


Es ist ein Glück, wenn pflegebedürftige Menschen Helfer haben, die ermöglichen, dass sie so lange es geht, in den eigenen vier Wänden leben können. Meist sind es Angehörige, die das auf sich nehmen. Dabei unterschätzen allerdings viele, wie belastend sich jeder einzelne Tag gestalten kann. „Wenn wir merken, dass jemand überfordert ist, erinnern wir denjenigen daran, dass er unbedingt die dafür vorgesehenen Versorgungsmöglichkeiten nutzen und sich eine Auszeit nehmen soll soll. Das können regelmäßig einige Stunden sein, zwei, drei Wochen Urlaub oder sogar eine Reha-Maßnahme.“, erklärt der Ergotherapeut Falko Rein. „Denn“ so ergänzt seine Kollegin „es ist per se eine unglaublich tolle Leistung, jemanden zu pflegen. Diejenigen, die das tun, geben von sich aus freiwillig einen Teil ihrer Lebensqualität auf.“ Es darf also niemand ein schlechtes Gewissen haben, wenn er nicht rund um die Uhr zur Verfügung steht.

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Neues Programm hilft, die Sicht auf den Schmerz zu verändern

Schmerzen sind für andere nicht sichtbar. Aber sie verändern das Leben Betroffener massiv. „Chronischer Schmerz ist ein eigenständiges Krankheitsbild, das oft von der Außenwelt missverstanden wird.“, bestätigt die Ergotherapeutin Lisa Käßmair, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.), weswegen Menschen mit chronischen Schmerzen häufig diskriminiert werden und es zu einer Stigmatisierung kommt. Wer dauerhaft Schmerzen hat, verändert sein Verhalten im Alltag oft unbewusst. Ergotherapeuten, die Spezialisten für Handlungsfähigkeit im Alltag sind, haben ein Programm entwickelt, um Schmerzpatienten aus dieser Negativspirale heraus zu helfen.

Akuter Schmerz ist ein Warnsignal des Körpers, chronischer Schmerz hingegen bedarf einer spezifischen Behandlung. Denn der Umgang mit Schmerzen, auch wenn sie dauerhaft sind, beruht meist auf Überzeugungen oder Verhaltensweisen, die die Betroffenen schon als Kind gelernt haben. „Der weit verbreitete Ansatz, Schmerzen zu ignorieren ist eine ebenso schlecht funktioniere Lösungsstrategie wie alles zu vermeiden, was Schmerzen hervorrufen könnte.“, weiß Lisa Käßmair. Die Ergotherapeutin war maßgeblich an der Übersetzung der Erweiterungsmaterialien für chronische Schmerzen zum Programm ‚Handeln ermöglichen, Trägheit überwinden‘ beteiligt. Sie erklärt weiter „Die Schmerzen verschwinden bei den Wenigsten vollständig. Im Programm geht es darum, die bisherige Lösungsstrategie zu reflektieren. Und Schritt für Schritt bessere Wege zu finden, dadurch den Fokus umzulenken und dem Schmerz einen anderen Stellenwert zu geben.“

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Einfach anfangen: Projekte für arbeitslose Menschen

Auch wenn die Zahl arbeitsloser Menschen in Deutschland stetig sinkt: Es sind noch immer mehr als zwei Millionen Menschen, die keiner Arbeit nachgehen beziehungsweise nachgehen können. Welche Vermittlungshemmnisse im Einzelfall vorliegen, hat unterschiedliche Gründe; manchmal sind es unerkannte, auch psychische Probleme. Um eine Klarheit herbeizuführen, bieten Agenturen für Arbeit und Jobcenter den Arbeitslosen Fördermaßnahmen an. Die Ergotherapeutin Stefanie Esser, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.), zeigt auf, welchen Nutzen ein solches Projekt für alle Beteiligten hat.

Arbeitslose Menschen passen in kein Schema: Das Spektrum Betroffener ist groß. Auch junge Leute mit oder ohne Abschluss und Ausbildung, teils sogar mit einem Studium, machen inzwischen einen nicht unerheblichen Teil der Menschen ohne Arbeit aus. „Es lohnt sich, den Ursachen auf den Grund zu gehen, wenn ‚immer wieder bewerben‘ nicht zum Erfolg führt.“, weiß die Ergotherapeutin Stefanie Esser. In solchen Fällen können arbeitslose Menschen an Maßnahmen teilnehmen, die ihre Agentur für Arbeit oder das Jobcenter finanzieren. Das Team der Betreuer in solchen Fördermaßnahmen für Arbeitslose setzt sich typischerweise aus mehreren Disziplinen zusammen; in diesem Fall sind es Psychologen und Ergotherapeuten.

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Bei Parkinson: Ergotherapeuten betrachten System und Umfeld

Morbus Parkinson ist eine neurologische Erkrankung, deren Auswirkungen sich anfangs gut mit Medikamenten behandeln lassen. Mit dem Fortschreiten der Krankheit nehmen die Beeinträchtigungen jedoch zu. „Das verändert vieles, bei den Betroffenen selbst ebenso wie bei den Angehörigen und im Umfeld.“ begründet Sabine George, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e. V.), weswegen Ergotherapeuten bei der Behandlung von Menschen mit Parkinson alle Faktoren beleuchten. Und diejenigen mit in die Therapie einbeziehen, die am Alltag des Patienten beteiligt sind.

Menschen, die an Parkinson erkranken, leben ein Leben wie andere Menschen auch: Sie haben einen Alltag mit Aufgaben und Verpflichtungen, tragen ihren Anteil zum Familienleben bei. Mit dem Zunehmen der Symptome wird es für sie oftmals schwieriger, dem nachzukommen, was ihren Alltag ausmacht. Sie können beispielsweise ihre Arbeiten im Beruf oder zuhause immer weniger so bewältigen, wie sie es von sich selbst erwarten. Die Selbstversorgung, Freizeitaktivitäten oder Aufgaben in der Familie wie Enkel betreuen funktionieren nicht mehr so, dass es den eigenen oder den Ansprüchen innerhalb der Familie gerecht wird. „Die Erkrankung erfordert immer wieder Neuorientierung und flexible Lösungen im Alltag – und zwar vom gesamten Familiensystem.“, erklärt Sabine George, die darauf aufmerksam macht, dass schon ab einem frühen Stadium der Erkrankung themen- und situationsbezogen ergotherapeutische Interventionen sinnvoll sind.

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Was Kinder mit UEMF bewegt

Etwa jedes zwanzigste Kind, also rund fünf Prozent, leidet an UEMF (Umschriebene Entwicklungsstörung motorischer Funktionen), einem Entwicklungsdefizit, das sich laienhaft ausgedrückt als Tollpatschigkeit zeigt. „Mit wachsenden Anforderungen ab dem Vor- oder Grundschulalter zeigen sich die Probleme immer deutlicher.“, weiß Isolde Albers. Die erfahrene Ergotherapeutin im DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) erklärt Anzeichen und Auswirkungen der Störung und was Ergotherapie bei diesen Kindern bewirkt.

Die Bezeichnung UEMF ist bei vielen noch immer wenig bekannt. Da die Auswirkungen, also die „Tollpatschigkeit“, meist nur für das geschulte Auge deutlich als Störungsbild zu erkennen sind, führen Eltern, Erzieher und später Lehrer die Beeinträchtigungen im Alltag betroffener Kinder häufig auf andere Gründe zurück. Kinder mit UEMF sind normal intelligent. Es ist eine Koordinationsstörung, die das motorische Planen beeinträchtigt und im Alltag sichtbare Ungeschicklichkeiten oder Unfähigkeiten verursacht.

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Rheuma: Erste Anzeichen ernst nehmen, schmerzende Betätigungen dosieren

Morgensteifigkeit, schmerzende oder geschwollene Gelenke oder Schmerzen, die durch Bewegung im Lauf des Tages meist wieder abklingen – so können Anzeichen von Rheuma aussehen. Rheuma ist der Überbegriff für eine Reihe von schmerzhaften Erkrankungen der Bewegungsorgane; die Schmerzen verschlimmern sich meist in den kalten Monaten. „Früh etwas unternehmen und das eigene Verhalten ändern.“, bringt die Ergotherapeutin Margot Grewohl vom DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) auf den Punkt, wie das beste Rezept für Rheumapatienten aussehen sollte.

Wer denkt sich schon etwas dabei, wenn sich morgens die Gelenke nicht so leicht bewegen lassen. Vor allem, wenn es sich im Lauf des Tages bessert. Oder die Schmerzen, die einen im Winter geplagt haben, im Sommer kaum noch zu spüren sind oder sich vielleicht wie eine Art Muskelkater anfühlen. Treten diese Symptome jedoch immer wieder auf, ist der Besuch beim Arzt unbedingt zu empfehlen. Ein Bluttest zeigt, ob die Entzündungswerte erhöht sind – ein weiteres Indiz. Wird Rheuma diagnostiziert, verordnen Fachärzte wie beispielsweise Rheumatologen üblicherweise parallel zu anderen Schritten eine ergotherapeutische Behandlung. Wie bei vielen Erkrankungen hängt auch bei Rheuma der weitere Krankheitsverlauf ganz maßgeblich davon ab, wann der Betroffene etwas unternimmt. „Achtsam sein, besonders dann, wenn in der Familie Fälle von Rheuma bekannt sind.“, appelliert die Ergotherapeutin Grewohl. Beginnt die Behandlung von Rheuma – auch durch Ergotherapeuten – in einem frühen Stadium, lassen sich Schmerzen und andere Folgen von Rheuma besser reduzieren, vermeiden oder zum Stillstand bringen.

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Inklusion und Ergotherapie: Eine besondere Beziehung

Die Bemühungen, Menschen mit Behinderung zu integrieren, Inklusion zu leben, sind vielfältig. Doch wo steht Deutschland in diesem Prozess? „Wir haben eine integrative Gesellschaft, der Zustand der Inklusion ist noch lange nicht für alle erreicht.“, stellt die Ergotherapeutin Azize Kasberg, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.) fest. Ihr Fazit: Es gibt Erfolge und Veränderungen. In Kindergärten und Schulen, in Werkstätten und anderen Einrichtungen bis hin zu wenigen Vorzeigeunternehmen. Doch unterm Strich gibt es noch viel zu tun: Es ist ein großes Aufgabengebiet, Menschen mit Behinderung ebenso wie ihr Umfeld vorzubereiten und zu gestalten.

Kann Inklusion einfach sein? „Ja.“, sagt Azize Kasberg, „Wenn alle mitmachen. Dann geht es leichter.“ Die Ergotherapeutin befasst sich vorwiegend mit dem Thema Behinderung. Inklusion und das Einbeziehen

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Mit psychischen Belastungen umgehen lernen

Beim Blick nach draußen bricht bei Vielen der so genannte Winterblues aus – das Grau schlägt auf die Stimmung. Besonders Menschen mit unbewältigten Problemen oder seelischen Belastungen erscheint ihre Situation jetzt oft noch schwieriger oder ohne Perspektive. „Wer sein Leben unaufhörlich als anstrengend und schwer empfindet, sollte sich professionelle Hilfe suchen.“, empfiehlt die auf psychische Probleme spezialisierte Ergotherapeutin Andrea Knoche, DVE (Deutscher Verband der Ergotherapeuten e.V.). Niemand hat etwas zu verlieren, im Gegenteil: Die Expertin hat die Erfahrung gemacht, dass sich manchmal schon mit kleinen Übungen der Teufelskreis durchbrechen und der Blickwinkel erweitern lässt.

Schlafstörungen, Schweißausbrüche, Herzklopfen, Antriebsarmut, negative Gedanken oder Konzentrationsprobleme sind oft äußere Anzeichen für eine zu große innere Belastung, die die Betroffenen entweder nicht wahrhaben wollen oder nicht als solche erkennen. Hausärzte hinterfragen daher zur Recht die Lebenssituation ihrer Patienten, die sie mit diesen oder weiteren Symptomen wie Verspannungen, Schmerzzuständen oder Bluthochdruck, aufsuchen.

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